DER FUENFTE AKT
	DIE FUENFTE SZENE

Azzuro	haemmerte  mit	dem  Schnabel  gegen  die  Regenrinne	ueber	Julias
Schlafzimmer. "Wlad, aufwachen!"

Wlads weinerliche Stimme ertoente von drinnen. "Meine Augen  sssind  ssstumpf,
mein Radar issst muede und meine Sssaehne sssind  taub...  Wer	ssstoert  eine
arme alte Fledermausss mitten in der Nacht?"

"Hoer schon auf, wir sind's: Ulo und Azzuro!", rief Azzuro.

Die Fledermaus streckte den Kopf heraus. "Ach ssso, und  ich  dachte  ssschon,
esss waere die Polizzzei. Wasss gibt esss denn?"

"Kommst du mit zum Friedhof?", fragte Ulo.

"Picknick?"

Azzuro ruelpste verhalten. "Nein, ich bekomme keinen Bissen mehr runter."

"Ich hoffe, du hassst mir noch eine Fliege uebrig gelasssen?"

"Keine einzige..."

"Wasss?", unterbrach ihn Wlad empoert.

"Ich habe keine einzige Fliege gegessen. Wir haben uns bei  Julias  Begraebnis
schadlos gehalten."

"Warum habt ihr misss nissst geweckt? Dasss haette  isss  gerne  gesehen.  Und
aussserdem: Wasss sssoll isss dann jetssst noch auf dem Friedhof?"

"Showdown!" Azzuro machte eine dramatische Gebaerde.

"Wiessso?"

"Romeo hat den Brief nicht bekommen, in dem steht, dass Julia noch  lebt.  Und
Paris will sich heute abend sehen lassen, wie er Julia zuenftig bejammert."

"Klingt interesssant." Wlad grinste. "Alssso, fliegen wir."

Sie erreichten den Friedhof zusammen mit  Paris  und  seinem  schwatzhaftesten
Pagen.

Paris nahm dem Jungen eine Flasche Parfum ab. "Du kannst da drueben  auf  mich
warten. Wenn jemand kommt, pfeif nach mir."

"Es ist dunkel, wir sind auf dem Friedhof und ich  habe  Angst.",  wandte  der
Page ein.

"Natuerlich ist es dunkel, schliesslich ist es Nacht." Paris  schuettelte  den
Kopf. "Wenn du Gespenster siehst, kannst du ja pfeifen."

Murmelnd zog der Junge sich zurueck und hockte sich ein Stueck entfernt  unter
eine Eibe.

Wlad kicherte leise. "Passst mal auf." Sie liess  sich  von  dem  Ast  fallen,
unter dem sie gehangen hatte und drehte eine  halsbrecherische	Runde  um  den
Kopf des Pagen. Der  Junge  spitzte  die  Lippen  und  versuchte  zu  pfeifen,
erreichte aber nur ein kaum hoerbares Zischen. Lachend zog  Wlad  sich	wieder
auf ihren Ast zurueck.

"Du bist gemein." Auch Ulo grinste.

"Ja." Wlad strich sich mit dem Fluegel ueber die Ohren.

"Guckt euch Paris an." Azzuro deutete mit dem Schnabel. "Ich haette eigentlich
erwartet, dass er Zuschauer mitbringt."

"Hat er doch." Ulo wies auf den Pagen. "Der Kleine ist nicht  nur  fuer  seine
Feigheit bekannt, er kann auch nichts fuer sich behalten."

"Oh." Azzuro nickte.

Paris drueckte sich ein Tuechlein ans Gesicht und vergoss ein paar Traenen.

"Sssind dasss Ssswiebeln, die isss da riessse?", fragte Wlad.

"Und Ammoniak." Ulo rieb sich den Schnabel mit der Klaue. "Das treibt einem ja
die Traenen in die Augen."

"Darum hat er es ja." Azzuro kniff die Augen zusammen. "Passt auf, jetzt kommt
ein Gedicht."

Ulo und Wlad stoehnten.

"Oh, Julia, schoenste Blume du, mit Traenen  decke  ich  dein  Grab..."  Paris
zoegerte. "...mit Traenen deck' dein Grab ich zu. Blumen streu  ich  auf  dein
Haupt, weil boeser Tod dich hat geraubt."

"Aua.", kommentierte Ulo.

"Reim disss, oder isss beisss disss.", stimmte Wlad ihr zu.  Grinsend  deutete
sie auf den Pagen. "Er versssucht'sss immer noch." Sie spitzte die Lippen  und
pfiff schrill. "Sssso geht dasss."

Der Junge schaute sie aengstlich an. Paris, der festen Meinung, sein Page habe
gepfiffen, blickte sich um und nahm einen Fackelschein wahr. Rasch steckte  er
das Parfumflaeschchen ein und duckte sich neben einen steinernen Engel.

"Ah, da issst Romeo." Wlad reckte sich so weit vor,  dass  sie  fast  vom  Ast
fiel.

Romeo nahm einen Brief aus seiner  Jackentasche  und  reichte  ihn  Balthasar.
"Hier, den gibst du gleich morgen frueh meinem Vater."

Balthasar fuehlte sich alles andere als wohl in  seiner  Haut.	"Was  hast  du
vor?"

"Ich werde mir Julias Ehering holen, denn schliesslich steht mir der als ihrem
Mann zu, und ihr die letzte Ehre erweisen. Was sonst, meinst du?"  Romeo  nahm
Balthasar das Stemmeisen ab. "Du musst hier verschwinden, ich will nicht, dass
du meinetwegen in Schwierigkeiten kommst."

"Ach, mit Schwierigkeiten werde ich fertig." Balthasar zuckte  die  Schultern.
"Aber dich auf dem dunklen Friedhof allein zu lassen, das behagt mir nicht."

"Vernuenftig, der Mann.", meinte Azzuro.

Romeo legte seinem Diener die Hand auf die Schulter. "Mach dir um  mich  keine
Sorgen. Verschwinde hier, und wenn ich dich erwische, dass du dich hier in der
Naehe aufhaelst, reisse ich dir die Ohren ab, verstanden?"

Balthasar nickte. "Ja,  ich  habe  verstanden.  Trotzdem:  Romeo,  mach  keine
Dummheiten."

"Ich war nie in meinem Leben vernuenftiger. Mach dich vom Acker." Er sah,  wie
Balthasar zusammenzuckte. "Gottesacker, wollte ich sagen."

Balthasar nickte ergeben, machte auf dem Absatz kehrt und blickte  auch  nicht
zurueck, als er hoerte, wie Romeo das Grab aufbrach.

Paris zitterte hinter dem Rock des  Engels  vor  Wut,  als  er	die  hallenden
Schlaege hoerte, mit  denen  Romeo  das  Grab  oeffnete.  "Du  Grabschaender!"
Wuetend sprang er nach vorne und zog seinen Degen.

Romeo wandte sich langsam um, das Brecheisen in der  Rechten.  "Hoer  zu,  ich
habe nicht vor, das Grab zu schaenden. Wenn du nur fuer fuenf Pfennig Verstand
hast, machst du, dass du wegkommst."

"Reicht es dir nicht, dass Julia vor lauter Kummer ueber deinen Mord an  ihrem
Vetters Tybalt Selbstmord begangen hat? Musst du jetzt	auch  noch  ihre  Ruhe
stoeren?" Die  Degenspitze  reckte  sich  begehrlich  Romeos  Kehle  entgegen.
"Escalus hat dich verbannt fuer dieses Verbrechen, jetzt kommst du zurueck, um
noch mehr Schandtaten zu begehen?" Paris Gesicht leuchtete weiss vor  Zorn  im
schwachen Sternenlicht. "Diesmal kommst du nicht davon, das schwoere ich  dir.
Ich nehme dich fest und morgen wird Escalus dich zum Tod verurteilen."

"Ich bin laengst  zum  Tod  verurteilt,  Mann."  Romeo  verzog  bedauernd  das
Gesicht. "Ich bin nur hier, weil ich sterben will,  verstehst  du  das  nicht?
Also tu mir und dir  den  Gefallen  und  zwing	mich  nicht,  dich  auch  noch
umzubringen." Er hob das Brecheisen.

Paris antwortete nicht, sondern hieb wild nach Romeo.

Der Page hoerte den Laerm und richtete sich abrupt auf, dann drehte er sich um
und rannte lauthals nach der Wache schreiend den Huegel hinunter.

"Als Fechter kann er noch etwas lernen." Azzuro schuettelte den Kopf.

"Elegant ist er nicht, das stimmt."  Ulo  kraechzte  leise,  als  Paris  einen
Schlag mir dem Brecheisen nur mit knapper Not abfing. Der naechste Schlag  kam
schneller, als Paris es erwartet hatte. "Und lernen wird er auch nichts mehr."

"Sssie haetten sssisss ruhig ein bisssen mehr anstrengen koennen.", beschwerte
sich Wlad.

Paris stoehnte, als Romeo sich ueber ihn beugte. "Begrab mich  neben  Julia.",
fluesterte er.

Romeo nickte. "Versprochen." Als Paris starb, sah er  genauer  hin.  Er  wurde
blass, als er Paris erkannte. "Verdammt."

"Julia sollte ihn heiraten.", fluesterte Azzuro leise in Romeos Ohr.

Romeo stampfte mit dem Fuss auf. "Verdammt, verdammt, verdammt.  Wieso  musste
ich ausgerechnet ihn erwischen?"

"He, Romeo, ich muss dir etwas sagen." Ulo huepfte  auf  einen  Vorsprung  der
Gruft.

Romeo blickte auf. "Tu's nicht."

"Doch." Aufgeregt trippelte Ulo hin und her. "Julia ist..."

"Tot und beerdigt, ich weiss.", unterbrach Romeo sie. "Und ich bin auch  schon
tot. So gut wie." Er seufzte und hob Paris hoch. "Und  Paris  wird  von  einem
Toten beerdigt. Was fuer eine Ironie des Schicksals." Er lachte bitter.

"Nein, Julia ist..."

"...unten.", beendete Azzuro den Satz fuer Ulo und warf  ihr  einen  drohenden
Blick zu. Kurz entschlossen landete Wlad auf  Ulos  Kopf  und  hielt  ihr  den
Schnabel mit den Fluegeln zu.

Verwirrt sah Romeo zu Ulo hoch, die  sich  heftig  gegen  Wlad	wehrte.  "Eine
Fledermaus hockt auf einer Kraehe. Das ist wohl ein Vorzeichen." Er schulterte
Paris Leichnam und ging vorsichtig die Stufen der Gruft hinunter.

Unten sah Romeo sich schaudernd um und legte dann Paris neben Tybalt  auf  den
Stein. "So, jetzt hast du einen Platz, der  dir  angemessen  ist.  Denn direkt
neben Julia liege ich - und niemand anders." Er beugte sich ueber  Julia.  "Du
hast ja noch ganz rote Lippen." Er laechelte und kuesste sie. "Schade, dass es
kein Maerchen ist, sonst wachtest du  jetzt  auf."  Nachdenklich  wog  er  die
Phiole mit dem Gift in der Hand. "Wo du bist, will ich auch hingehen,  Julia."
Er trank und sein Laecheln vertiefte sich, bevor  er  leblos  in  Julias  Arme
sank.

Draussen war es Ulo endlich gelungen, Wlad herunterzuschubsen. "Du..., du..."

"Ja?", fragte Wlad freundlich.

"Deinetwegen ist..."

"Still, da kommt Bruder Lawrence.", unterbrach Azzuro den Streit.

Lawrence beugte sich nachdenklich ueber das Blut und das Brecheisen am	Boden.
"Was ist denn hier passiert?"

"Romeo war hier.", klaerte Azzuro ihn auf.

"War?" Bruder Lawrence sah ihn entsetzt an. "Ich hatte schon  den  ganzen  Tag
ein ungutes Gefuehl." Er seufzte. "Wenigstens muss ich jetzt die  Gruft  nicht
mehr aufbrechen." Behutsam stieg er hinunter.

Mit Grausen liess Lawrence den Blick ueber die Leichen schweifen, dann blickte
er zu Azzuro auf. "Wie lange?", fragte er leise.

"Ungefaehr eine halbe Stunde."

Bruder Lawrence fluchte so herzhaft, dass Wlad das Maul  offen	stehen	blieb.
"Fuer einen Priessster hat er einen interessssanten Wortsssatsss.", meinte sie
beifaellig.

"Dass du das ja nicht petzt." Bruder Lawrence drohte ihr mit dem Finger.

"Ich?" Wlad versuchte, unschuldig auszusehen.

Julia stoehnte und klappte muehsam ein Auge auf. "Wo...?"  Sie  oeffnete  auch
das andere Auge. "Oh, ja. Eine Gruft. Meine Gruft." Als  sie  sich  aufsetzte,
fiel ihr Blick auf  Lawrence,  der  sie  mit  schreckgeweiteten  Augen	ansah.
"Bruder Lawrence. Gut. Wo ist Romeo?"

Wortlos deutete Lawrence auf die Leiche. Er raeusperte sich, als  Julia  einen
Schrei ausstiess. "Julia, wir sollten hier verschwinden. Ich  bringe  dich  in
ein Kloster."

"Kloster? Ich will bei Romeo sein!"

"Sei vernuenftig, das geht doch nicht. Er ist tot."

"Dann will ich das auch sein." Sie betrachtete die Phiole in  Romeos  Fingern.
"Leer. Du Geizhals, wie soll ich jetzt zu dir kommen?"

Romeo reagierte nicht auf ihre Vorwuerfe, doch eine der drei  Tauben  auf  der
Wolke ueber ihnen sah sehr betruebt aus.

"Julia..." Bruder Lawrence fasste sie an der Schulter.

"Nein." Julia zog Romeos Dolch  aus  der  Scheide,  winkte  den  Kraehen,  der
Fledermaus und Bruder Lawrence zu und erstach sich.

"Sie hat gewunken." Ulo schluckte.

"Warte, bis wir sie hinter der Buehne sehen. Das gibt Aerger.", meinte Azzuro.

"KANN ICH JETZT?"

"Bedien disss, sssie warten ssson."

"DANKE."

Bruder Lawrence hoerte einen Wachmann und blickte sich wild um. "Ich muss  weg
hier, das ist mir unheimlich." Er raffte seine Kutte zusammen und kletterte so
geschwind aus der Gruft, dass Ulo anerkennend pfiff.

Der  Wachhauptmann  kam  zusammen  mit	Paris  Pagen  herab.  "Was  fuer  eine
Scheisse." Er seufzte und ging zu seinen Kollegen nach oben. "Durchkaemmt  den
Friedhof. Unten liegen drei Leichen, alle noch	warm.  Der  Taeter  kann  noch
nicht weit sein." Er deutete auf einen Gefreiten. "Du gehst und  holst  Fuerst
Escalus, die Capulets und die Montagues."

"Wer sind die Leichen?", wollte sein Sergeant wissen.

"Graf Paris, Romeo Montague und - haltet euch fest - Julia Capulet."

"Julia?" Der Sergeant runzelte die Stirn. "Wie kann sie noch  warm  sein?  Ich
denke, sie ist schon seit zwei Tagen tot?"

"Nein, ist sie nicht.", kraechzte Ulo.

"Tja.", meinte der Hauptmann. "Denkt  was  ihr  wollt,  aber  die  Kraehe  hat
Recht."

Escalus, der sich zwar	die  Amtsrobe  ueber  die  Schultern  geworfen	hatte,
allerdings in der Aufregung vergessen hatte, sich auch Schuhe anzuziehen, sah
sich verwirrt um. "Womit hat die Kraehe Recht?"

"Hier in der Gruft liegen drei frische Leichen: Romeo, Julia und  Paris."  Der
Hauptmann nahm Haltung an.

Frau Capulet, die sich gerade einen Weg durch die  versammelte	Menge  bahnte,
schrie auf. "Meine Julia stirbt zweimal?"

Auch  Escalus  konnte  es  kaum  glauben.  "Also  von  Anfang.  Wer  hat   wen
erschlagen?"

Bruder Lawrence, der zwischen zwei Wachmaennern herangeschleppt wurde wie  ein
Sack Waesche, zupfte sich verlegen an der Nase. "Ich sollte  wohl  etwas  dazu
sagen."

"Vermutlich." Fuerst Escalus nickte dem Moench zu. "Wenn Sie es koennen."

Bruder Lawrence seufzte. "Ich glaube, ich bin an allem schuld. Also: Romeo und
Julia haben am Dienstag heimlich geheiratet."

Sowohl die Familie Capulet als auch Herr Montague stoehnten auf  und  blickten
unglaeubig in die Runde.

Herr Montague sah Fuerst Escalus  aus  grossen,  traurigen  Augen  an.	"Nicht
genug, dass meine Frau heute gestorben ist, weil sie es nicht ertragen konnte,
dass Romeo verbannt ist, stirbt jetzt auch noch mein Sohn."

Romeo, der neben Julia auf  der  weichen  Wolke  sass  und  die  Taubengestalt
abgelegt hatte, um abwesend Ulos Gefieder zu kraulen,  lachte  auf.  "Das  ist
starker Tobak fuer sie."

Julia legte ihre Hand auf seinen Arm. "Das mit deiner Mutter tut mir leid."

Lawrence nickte den Eltern zu. "Es stimmt. Und am Montag hat Romeo auch Tybalt
erstochen. Deshalb musste er noch vor Sonnenaufgang am Dienstagmorgen aus  der
Stadt  verschwinden.  Ich  nehme  doch	stark  an,  dass  die	Ehe   trotzdem
rechtsgueltig ist. Polly weiss das sicher besser als ich."

Julia kicherte und wurde rot.

"Weil Herr Capulet dann am Dienstag Julia mit Paris verlobt hat, kam Julia  zu
mir und wollte, dass ich ihr helfe." Bruder  Lawrence  zuckte  die  Schultern.
"Ich wusste nichts besseres, als ihr ein Schlafmittel zu geben,  dass  sie  am
Mittwochabend nehmen sollte, damit alle  glauben,  sie	habe  sich  vergiftet.
Gleichzeitig habe ich einen Mitbruder mit  einem  Brief  zu  Romeo  geschickt.
Leider hat Herr Capulet dann Dienstag beschlossen, dass die Hochzeit  zwischen
Julia und Paris bereits  am  Mittwoch  stattfinden  soll,  weshalb  Julia  das
Schlafmittel  schon  am  Dienstag  nahm.  Eigentlich  haette  die  Frist  noch
ausgereicht, um Romeo zu warnen, dass Julia lebt, aber mein Bruder hat mir den
Brief zurueckgegeben." Lawrence seufzte. "Heute abend kam ich her,  damit  ich
Julia aus der Gruft holen konnte und fand Romeo und Paris bereits tot vor."

Escalus nickte bedaechtig. "Gut. Oder vielmehr, nicht gut. Wer kann mir sagen,
wie Paris hier hin kam?"

Paris Page trat vor. "Ich habe ihn begleitet, weil er hier Blumen  auf  Julias
Grab streuen wollte."

"Dabei hat Romeo ihn unterbrochen.",  fuegte  Balthasar  hinzu.  "Als  ich  am
Donnerstag hier war, um fuer Romeo Neuigkeiten zu  erfahren,  hoerte  ich  von
Julias Tod. Ich ritt also nach Mantua zurueck und Romeo, nehme ich an,	kaufte
sich da ein Gift. Dann kamen wir hierher, wobei  Romeo	mich  glauben  machte,
dass er nur Julia die letzte Ehre erweisen wollte. Er schickte mich weg,  aber
ich sah noch, dass er und Paris aneinandergerieten. Einen Brief  hat  er  noch
geschrieben." Er reichte Escalus den Umschlag.

"Bist der bessere Fechter." Paris klopfte Romeo auf die Schulter.

"Wir haben eine Ewigkeit Zeit, deinen Stil zu verbessern.", antwortete Romeo.

Escalus las das Schreiben und nickte wieder. "Das ist ein  Abschiedsbrief,  in
dem Romeo selbst schreibt, dass er mit Julia verheiratet war."

Herr Montague streckte impulsiv seine Hand nach Herrn Capulet aus.  "Verdammte
Scheisse, wie?"

"Ja, das  auch."  Misstrauisch  blickte  Herr  Capulet  auf  die  Hand  seines
Erzfeindes,  entdeckte	kein  Messer  und  schloss  ihn  dann  in  die	 Arme.
"Versoehnen wir uns?"

Noch ehe Herr Montague antworten konnte, hob Escalus die  Hand.  "Und  ob  ihr
euch versoehnt. Ansonsten stecke ich euch beide in einen Sack und schlage  mit
einem Knueppel drauf."

"Traefe nicht die Verkehrten.", stimmte ihm Herr Montague zu.

"Das haette Escalus lieber gleich tun sollen.", maulte Ulo.

"Hauptsache, es ist endlich Ruhe." Azzuro schmiegte sich an  Julia  und  liess
sich von dieser kraulen.

"Jawohl." Julia laechelte. "Frieden auf Erden und das Himmelreich  fuer  Romeo
und mich."

