DER ERSTE AKT
	  DIE VIERTE SZENE

"Ich mag nicht.", murrte Romeo und versuchte, Benevolios Hand  abzuschuetteln,
die ihn langsam aber stetig auf die Villa der Capulets zuzog.

"Ach komm schon, stell dich nicht so an." Mercutio stupste  seinen  Freund  in
die Seite. "Wir werden tanzen  und  uns  darueber  amuesieren,  wie  der  alte
Capulet sich vollaufen laesst."

"Wir fliegen sowieso raus, noch bevor wir drinnen sind."

"Das geht nicht.", kommentierte Benevolio, der sich  fest  vorgenommen  hatte,
Romeo aufzuheitern. "Es wird bestimmt lustig."

"Klar. So lustig, wie mein Traum letzte Nacht."

"Hey, Traeume sind Schaeume.", meinte Mercutio.

"Was hast du denn getraeumt?" Benevolio nahm seinen Freund ernster.

"Bestimmt von einer Frau.", sagte Mercutio lachend. "Davon traeumen  doch  die
meisten Leute."

"Nein, eine Frau war es nicht."

Mercutio rueckte betont einen Schritt von Romeo ab. "Aeh, gibt  es  da  etwas,
was du uns sagen solltest? Nicht, dass ich dir zu nahe	treten	wollte,  aber,
aeh..." Er grinste breit.

"Romeo, hoer mit dem Unsinn auf. Jeder traeumt einmal. Du  hast  bestimmt  nur
etwas Unrechtes gegessen."

"Ich habe gar nicht gegessen."

"Na, siehst du, was sage ich?"

Benevolio warf einen verwirrten Blick auf Mercutio, beschloss dann  aber,  das
Thema nicht weiter zu  verfolgen  und  zupfte  statt  dessen  Romeos  Krawatte
zurecht. "So, jetzt siehst du gut aus."

"Ich habe wirklich keine Lust zu tanzen." Romeos Gesicht hatte einen Ausdruck,
den jede Mutter sofort erkannt und mit einem strengen Blick geahndet haette.

"Dann geh wenigstens mit hinein  und  tu  so,  als  ob  du  dich  amuesierst."
Benevolio rueckte auch seine eigene Krawatte gerade. "Der  Appetit  kommt  mit
dem Essen."

"Siehste, sag ich doch." Azzuro imitierte ueberzeugend Mercutios Stimme.

"Hm, Mercutio, wir sprechen inzwischen ueber etwas anderes." Romeo konnte sich
ein Grinsen nicht verkneifen.

"Ich?" Mercutio deutete auf sich selbst. "Ich habe nichts gesagt."

"Wisst ihr, ich habe getraeumt, dass ich heute  meinem  Verhaengnis  begegne."
Romeo  schaffte  es  erstaunlich  schnell,   seine   melancholische   Stimmung
wiederzubeleben.

"Das Verhaengnis kenne ich. Es faengt mit R an und hoert  mit  osaline  auf.",
meinte Benevolio. "Warte es erst einmal ab, vielleicht gefaellt  sie  dir  gar
nicht mehr, wenn du sie erst einmal betrunken siehst."

"Die edle, durchgeistigte  und  wunderschoene  Rosaline  und  sich  betrinken?
Benevolio, wie kannst du so etwas unterstellen!" Mercutio legte  die  Arme  um
seine Freunde.

"Wahrscheinlich wird es Romeo viel mehr stoeren, wenn er sie mit  den  anderen
gackernd in der Ecke stehen sieht."

"Sie gackert nicht.", brummte Romeo veraergert.

"Oh,  ich  vergass."  Mercutio  zwinkerte  Benevolio  zu.  "Sie  kichert   nur
maedchenhaft hinter der vorgehaltenen Hand."

"Ach, Romeo, was sind Sie aber auch fuer ein Schlimmer.", quiekte Benevolio im
Falsett.

"Hoert auf, ich komme ja schon mit, aber tanzen werde ich nicht."

"Das werden wir ja sehen. Vielleicht frage ich Rosaline, ob sie mit mir tanzt,
dann wette ich, dass du nichts eiligeres zu tun hast,  als  mich  abzuloesen."
Mercutio nahm Benevolios Hand. "Ach  bitte,  schoenste  Rosaline,  wollen  Sie
nicht mit mir tanzen?"

"Oh, nur zu gerne, liebster Mercutio." Benevolio machte  einen  Knicks.  "Aber
treten Sie mir nicht so auf die Fuesse wie Romeo!"

Romeo ergriff Benevolios Krawatte und zog kraeftig daran. "Ich  bin  ihr  noch
nie auf die Fuesse getreten."

"Weil du noch nie mit ihr getanzt hast.", grinste Benevolio.

"Ausserdem, wenn du ihr noch nie auf die Fuesse getreten  bist,  verstehe  ich
nicht, warum sie dich nicht lieben will.", fuegte Mercutio hinzu.

Romeo verzog schmollend das Gesicht. "Das weiss ich auch nicht."

"Schluss jetzt, wir gehen hinein und du wirst dich schon amuesieren, Romeo."

"Das klingt wie eine Drohung, Benevolio.", lachte  Mercutio.  "Amuesier  dich,
Romeo, bis dir das Lachen im Halse stecken bleibt."

"Das tut es bestimmt.", meinte Romeo duester.

