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diff --git a/OLD.anzeigen b/OLD.anzeigen
index 8eb3a91..912766d 100644
--- a/OLD.anzeigen
+++ b/OLD.anzeigen
@@ -49924,3 +49924,952 @@
+Wipfellaeufer (Humni, 20. Aug 2016, 00:00:49):
+Liebe Mudgemeinde,
+
+
+
+eigentilch sollte in diesem Moment bei allen wichtigen deutschen
+Ebook-Plattformen "Wipfellaeufer", mein erster (soweit ich auch weiss,
+ueberhaupt der erste) MorgenGrauen-Roman, erscheinen. Siehe auch den Trailer
+im Artikel zuvor.
+
+
+Nur leider war ich zu bloed, mal vorher zu schauen, wie lange diese
+Plattformen brauchen, um eingegangene Dateien zu "validieren". Das sind wohl
+teilweise bis zu 3 Tage. Da ich das eben erst alles hochgeladen habe, kann das
+noch dauern.
+
+
+Nichts desto trotz, und obschon ... (Ach Mist. Ich hab schon wieder "Obschon"
+geschrieben. Mein Lektor hat geschimpft, ich habe sie alle in "Obwohl"
+geaendert) ... ich jetzt lauter Gebiete anschliessen werde, habe ich
+beschlossen, eine neue Plattform
+fuer Ebooks ins Leben zu rufen.
+
+
+
+Diese Plattform heisst Morgengrauen. Haha. Und ihr kennt sie.
+
+
+
+Man bedient sie wie folgt:
+
+
+
+tm humni Ich will ein Buch!
+
+
+
+Dann kommt evtl. Diese Meldung:
+
+
+
+Kein solcher Spieler!
+
+
+
+Dann ist die Plattform gerade ausser Betrieb. Ihr muesst spaeter wiederkommen.
+
+
+
+Wenn diese Meldung kommt:
+
+
+
+Humni ist seit x voellig untaetig.
+
+
+
+(Dabei ist x irgendwas) - dann wartet erstmal, ob sich doch noch was tut.
+
+
+
+Ansosten kommt vermutlich dann folgende Frage:
+
+
+
+Humni teilt Dir mit: Sehr schoen. Sag bitte einmal Deine Email-Adresse.
+
+
+
+Du antwortest dann mit:
+
+
+
+tm humni wuff@wuffwiff.wu
+
+
+
+Wobei Du wuff@wuffwiff.wu durch Deine Mailadresse ersetzt.
+
+
+
+Es kann sein, dass Du danach in eine Warteschleife kommst. Das wird Dir dann
+mitgeteilt.
+
+
+
+Danach checkst Du bitte Deinen Posteingang. In einigen Minuten wird dann das
+Ebook bei Dir erscheinen.
+
+
+
+Es wird im EPUB- und im MOBI-Format geliefert. Der Kindle kann MOBI, alle
+anderen Reader und Tablets koennen in der Regel EPUB (und meist auch MOBI).
+Ich packe auch noch eine Anleitung dazu, wie man das per Mail in den Kindle
+bekommt (leider kann ichEuch bei anderen Readern nicht weiterhelfen, aber ich
+bin sicher, das schafft ihr auch so.) EPUB ist auch dazu geeignet, am
+Bildschirm gelesen zu werden, wer das lieber will.
+
+
+
+Natuerlich ist das Buch DRM-frei. Uebrigens auch bei den offiziellen
+Plattformen.
+
+
+
+Zusammen damit kommt eine Rechnung. Diese wird sich ueber den Betrag von 6,99
+Euro belaufen. Das ist der offizielle Ladenpreis. Das ist ein E-Book, das ist
+IMHO nicht preisgebunden, aber billiger machen kann ich das dennoch nicht
+(auch wenn ich natuer
+
+(Nein. Ich glaube nicht, dass sie das hier finden. Aber immerhin ist das ein
+offizieller MPA-Artikel und damit irgendwann auch ueber Google auffindbar.)
+
+
+
+Bezahlen koennt ihr dann einfach per Ueberweisung. Ja, ich glaube Euch, dass
+ihr das tut. Alternativ beim naechsten Stammtisch in Bochum. ;-)
+
+
+
+Ich kann aber ja versprechen, von den Mehreinnahmen pro Buch einen Euro an den
+Verein zu spenden. Sprich, ihr kauft das Ebook und unterstuetzt den Betrieb
+des Servers!
+
+
+
+"Buh Buh!" hoere ich da die Ersten rufen. "Bei Amazon/Tolino ... bekomme ich
+eine Vorschau! Buh Buh! Hier kaufe ich die Katze im Sack!"
+
+
+
+Nun denn. Nein, das muss ja nicht sein. Ich habe bis eben ueberlegt, wie ich
+die Leseprobe online stellen soll. Haha. Wie bloed bin ich. Wir haben hier ja
+ein perfektes Textmedium. Die Leseprobe kommt in die MPA. Naechster Artikel.
+;-)
+
+
+(Und nein. Das Buch enthaelt Umlaute. Die bau ich hierfuer nur raus.)
+
+
+
+Not -> Tugend
+
+
+
+Humni
+
+
+-----------------------------------------------------------------------------
+
+
+
+Leseprobe (Humni, 20. Aug 2016, 00:09:34):
+Wipfellaeufer
+
+-- Kostenlose Leseprobe zum Behufe der Verwendung in der MPA --
+
+
+Der folgende Roman stammt aus der Welt des MorgenGrauen, eines
+Multi-User-Dungeons. Man koennte diese Spiele, die sogenannten MUDs, als
+Vorlaeufer der heutigen Massively Multiplayer Online Role Playing Games
+(MMORPGs) sehen (wie World of Warcraft). Der Unterschied ist, dass sie keine
+Grafik haben, sondern nur aus Text bestehen - aber mehr dazu im Nachwort.
+
+Das MorgenGrauen ist ein sehr altes Onlinespiel, es existiert bereits seit
+1992. Somit ist es aelter als viele Fantasy-Romane, die derzeit die Regale
+fuellen. Ferner haben sich Horden von kreativen Programmierern dort ausgetobt.
+Dies fuehrt zu einigen Namenswahlen, die aus Sicht des typischen
+Fantasy-Lesers des 21. Jahrhunderts doch eher Stirnrunzeln ausloesen.
+
+Ich hoffe, dass diese den Lesegenuss nicht zu sehr stoeren. Ich mag nicht auf
+sie verzichten, da sie fuer die Morgengrauen-Spieler einen hohen
+Wiedererkennungswert haben.
+
+(Jaja, fuer die Seher und Magier natuerlich auch ... aber dazu nun wirklich
+mehr im Nachwort.)
+
+
+
+
+
+Wald
+
+
+
+
+
+Ganz oben, auf dem hoechsten Turm inmitten der Festung der Daemmerung, stand
+der Eisige.
+
+
+
+Die, die unten durch die Festung gingen, liefen und krochen, glaubten sich als
+Sieger, da sie auf seiner Seite standen. Sie blickten zu ihm auf, zu seinem
+eisigen Gesicht und dem strahlenden Stirnreif. Sie glaubten, sich in seinem
+kalten Glanz zu sonnen. Doch in Wahrheit waren sie bereits jetzt die
+Verlorenen, denn er hatte sie unter seinen Willen geknechtet. Sie buhlten und
+kaempften um sein Ansehen, doch all dies war ihm einerlei.
+
+Er schaute hinunter auf das Gewimmel, Gewusel und Gekrieche, das sich durch
+die vier Ringe zog, aus denen die Festung aufgebaut war.
+
+Hierher kam niemand, der nicht hierhergehoerte. Die Menschen, die in der Naehe
+wohnten, dienten ihm oder lebten in staendiger Furcht vor ihm und seiner
+Macht.
+
+Er haette zufrieden sein koennen. Unbegrenzte Macht ueber Tausende. Aber er
+konnte nicht zufrieden sein. Es gab noch zu viel, das nicht ihm gehoerte. Es
+wuerde nie genug sein.
+
+Ihn trieb die reine Gier. Er war unersaettlich. Das war seine Natur.
+
+So schweifte sein Blick wieder zum Horizont, weg von dem, was er bereits
+hatte. Er sah die weite Tundra, neblig und menschenleer. Er durchdrang auch
+den Nebel und sah mit seinem geistigen Auge das, was dahinterlag, was noch
+nicht ihm gehoerte.
+
+Den Wald. Und die Elfen.
+
+
+
+
+
+*
+
+
+
+
+
+Raben. Ueberall Raben. Dicke, duenne, grosse, kleine. Und alle, alle
+kraechzten.
+
+
+
+Slabnir war angekommen, und die Raben waren da. Er stand mitten zwischen
+ihnen. Wo kamen die Voegel her? Wie kam er hierher? Was machte er hier?
+
+Er schuettelte sich kurz. Kalt war es. Nein, kuehl. Und um ihn herum waren die
+Raben. Unzaehlbar viele.
+
+Und ihr Kraechzen klang in seinen Ohren. Kurz schmerzte es, aber dann ...
+
+Dann war es immer noch laut, aber angenehm. Sehr angenehm. Das Gekraechze war
+nicht einmal stoerend. Eher wie Musik.
+
+Die Szene erschien ihm unwirklich. Nein, nicht unwirklich. Wirklich. Deutlich
+wirklicher, als vieles, was er bisher gesehen hatte und was er bisher erlebt
+hatte. Er war da, er war ganz da, an diesem Ort, und die Raben waren da. Und
+genau, weil die Szene so wirklich war, erschien sie unwirklich.
+
+Er lauschte kurz in sich hinein. Warum war er hier? Was wollte er hier?
+
+Und dann fiel es ihm wieder ein: Er war auf der Kuehlen Lichtung. Dem Ort im
+Herzen eines jeden, an dem er selbst der sein konnte, der er war. An dem er
+sich selbst erkennen konnte. Der Ort, an den ihn die Uebungen seines Freundes
+Illdereth gebracht hatten. Es war ein Kinderspiel gewesen, nachdem er
+verstanden hatte, wie es ging.
+
+Ja, hier war eine Lichtung. Um ihn herum wuchsen Baeume. Schoene Baeume,
+Eichen, Buchen und Erlen. Gerade und stolz gewachsen. Sie schirmten die
+Lichtung gegen den Rest des Waldes ab.
+
+Er erinnerte sich an die Worte seines Freundes. Illdereths schneeweisse Haare
+hatten im Wind geweht, seine gruenen Augen ihn durchdringend angeblickt. Wie
+immer war seine Stimme voller Zuversicht gewesen. "Du wirst wissen, wann du da
+bist." Seine klare Stimme hatte es so einfach dargestellt, wie es letzten
+Endes auch war.
+
+Illdereth hatte noch mehr erzaehlt, aber keine Worte hatten ihn hierauf
+vorbereiten koennen. Dieser Ort war kuehl, so kuehl, wie er selbst sein
+musste, wenn er die ewigen Gefahren des Kampfes ueberstehen wollte. Er war
+kuehl wie ein Herbstabend, an dem ein Wind aufzog, nur intensiver. Und dennoch
+fror Slabnir nicht. Dieser Ort war kuehl, nicht kalt.
+
+Allerdings hatte Illdereth nichts von den Raben gesagt. "Jeder erlebt die
+Kuehle Lichtung anders. Jeder ist auf seiner eigenen Kuehlen Lichtung", waren
+seine Worte gewesen.
+
+Warum waren auf seiner Kuehlen Lichtung Raben? Sie schienen sich dort wohl zu
+fuehlen. Und irgendwie merkte er, dass ihr Gekraechze nicht einfach nur
+sinnloses Geschnatter war. Sie hiessen ihn willkommen.
+
+Alle Raben hiessen ihn willkommen.
+
+Er legte sich hin zwischen sie auf den Boden. Sie kamen hinunter, huepften auf
+ihn zu, rieben ihre Federn an seiner Haut. Raben.
+
+Er hatte sich nie gluecklicher gefuehlt. Er wollte hierbleiben, an diesem Ort,
+seinem Ort, seiner Kuehlen Lichtung.
+
+Einige Raben pickten nach ihm, doch ihn stoerte das nicht.
+
+
+
+
+
+*
+
+
+
+
+
+"Verdammt, Slabnir, wach auf!"
+
+
+
+Illdereth schuettelte seinen Freund, der nur langsam wieder zu sich kam. Panik
+lag in seiner Stimme, bis der deutlich kleinere Blondschopf endlich die Augen
+aufschlug.
+
+Die beiden sassen auf einer Plattform, oben auf einer Eiche am Ostrand der
+Elfensiedlung.
+
+Die eigentlichen Haeuser der Elfen ragten nicht sehr hoch auf. Die groesseren
+Gebaeude hatten zwei Geschosse, und so musste die Plattform nicht sehr hoch
+sein, damit man sie vom Boden oder auch von den Daechern der Haeuser aus nicht
+sehen konnte. Elfen bauten nicht sehr hoch, sie nutzten Baeume, um groessere
+Hoehen zu erreichen. Stattdessen war fast jedes Elfenheim ein eigenes
+Kunstwerk. Jede Saeule, jeder Balken, teilweise auch Tische und Baenke wurden
+von vielen Elfen mit Schnitzereien verziert. Nicht umsonst galten Elfenmoebel
+bei anderen Voelkern als teure Raritaeten. Aber viel Platz benoetigten Elfen
+ohnehin nicht, und so blieben auch ihre Haeuser eher klein.
+
+Von der Plattform aus hatte man einen hervorragenden Rundblick ueber die ganze
+Elfensiedlung, die an diesem sonnigen Nachmittag unter ihnen lag.
+
+Der Ort hatte keinen eigenen Namen. Namen brauchten nur die Menschen, die ihre
+Staedte und Doerfer mit Namen wie Heidenhus oder Port Vain versahen. Dies war
+eine Siedlung der Elfen. Es gab viele Siedlungen der Elfen, aber einen Namen
+brauchte man nicht dafuer. Die Siedlung war einfach die Siedlung, wie die
+Heimat von anderen Elfen eben die Siedlung der anderen Elfen war. Da die Elfen
+ausserhalb ihrers Wohnorts wenig Kontakte hatten, reichten fuer die wenigen
+Gelegenheiten Namen wie "Eure Siedlung" und "Unsere Siedlung" aus.
+
+Illdereth war ein junger Elf, nur zwei Jahre aelter als Slabnir. Er hatte sich
+tiefer als die meisten seines Volkes in der Kunst der Meditation geuebt. Dabei
+hatte er den Ort gefunden, den er "die Kuehle Lichtung" nannte. Damit konnte
+er, Geduld vorausgesetzt, Pflanzen in ihrem Wachstum lenken. Er hatte damit
+diese Plattform aus dem Baum herauswachsen lassen.
+
+Er vermutete, dass diese geistige Lichtung noch mehr Geheimnisse verbarg.
+Bisher waren nur seine Freunde Slabnir und Ligenshad eingeweiht. Die drei
+nutzten die Plattform nun als Treffpunkt fuer Unternehmungen.
+
+Slabnirs Augen fielen wieder zu. "Slabnir! Komm zurueck!"
+
+Widerwillig oeffnete dieser die Augen. "Raben", kraechzte er. "Da waren Raben
+... Illdereth, was ist das gewesen?"
+
+"Raben? Ich habe keine Ahnung ... " Illdereth wunderte sich. "Ligenshads
+Lichtung sieht anders aus als meine, und du hast Raben auf deiner Kuehlen
+Lichtung. War es schwierig?"
+
+"Ueberhaupt nicht", murmelte Slabnir. "Das war, wie du gesagt hast: Ich habe
+mich in mich selbst hineinversetzt, habe gedacht, ich bin in mir, und dann an
+diesen kuehlen Ort und ich war da. Alles war so wirklich. Aber warum habe ich
+dort Raben? Ist das nicht komisch?"
+
+"In der Tat." Illdereth ueberlegte. "Aber ich glaube, wir duerfen das mit dem
+Ort nicht so genau nehmen. Dieser Ort ist in uns, es ist kein Ort in der
+wirklichen Welt."
+
+"Was ist denn eigentlich die wirkliche Welt?" Slabnir ging mit seinen Gedanken
+noch einen Schritt weiter. "Ist es die Siedlung?"
+
+Illdereth zuckte nur mit den Schultern. "Wenn ich die Antwort darauf wuesste,
+wuerde ich mich selbst zum Weisesten ernennen und den Aeltesten um seinen
+Platz bitten", grinste er.
+
+Slabnirs Blick fiel durch die Zweige nach unten, in den Hain. Dort lief gerade
+eine junge Elfe entlang. Er blickte Illdereth feixend an. "Aber schau mal,
+fuer den Anfang wuerde es reichen, wenn du wuesstest, wie du es schaffst, mit
+Tarivel zu reden ..."
+
+"Ich will nicht mit ihr reden", sagte Illdereth. Ein ganz, ganz kleines
+bisschen zu schnell. "Also ... ich habe nichts dagegen, mit ihr zu reden.
+Sollte ich da mehr Interesse haben? Du kannst dir ja Muehe geben, wenn du
+willst ..." Er versuchte, moeglichst gleichgueltig auszusehen.
+
+"Ich? Nein, danke. Ich mag Vereniel, die Tochter der Gaertnerin. Und weisst
+Du, welchen Vorteil ich dir gegenueber habe?"
+
+"Welchen denn?"
+
+"Sie weiss das und sie mag mich auch."
+
+"Bei den Blueten des Baumes der Weisheit! Woher weisst du das? Was macht dich
+da so sicher?" Illdereth blieb der Mund offen stehen.
+
+"Ich habe sie gefragt."
+
+"Ah. Ach so. Ja. Das ... erklaert natuerlich alles."
+
+"Ich habe einen Rat fuer dich." Slabnir grinste immer noch. "Aber nur, wenn du
+wirklich interessiert bist."
+
+"Wieso sollte ich interessiert sein?" grummelte Illdereth.
+
+"Wie du willst. Dann geb ich dir den Rat auch nicht."
+
+Beide schwiegen eine Weile, wobei Slabnirs Grinsen fast schon unertraeglich
+wurde. Illdereth versuchte betont, nicht nach unten zu der blonden Frau zu
+schauen.
+
+"Und wenn ich doch ... ein ganz klein wenig ... interessiert waere, zumindest
+an dem Rat?", fragte er schliesslich.
+
+"Frag sie doch einfach. Oder, wenn du nicht so direkt sein willst, frag sie,
+ob sie auch auf die Kuehle Lichtung will. Illdereth, dieser Ort ist
+unglaublich! Zeig ihr, welche Geheimnisse du entdeckt hast."
+
+"Ich weiss nicht ..."
+
+"Als Kinder seid ihr beide um die ganze Siedlung gelaufen und habt Fangen
+gespielt. Und heute gruesst du sie kaum. Man munkelt, sie waere mit Ligenshad
+zusammen, aber beide haben das nie bestaetigt. Obwohl er echt ein guter Freund
+ist, hast du ihn auch nie gefragt. Und selbst wenn da etwas war, die beiden
+hat man seit Wochen nicht mehr zusammen gesehen. Du solltest dir diese Chance
+nicht entgehen lassen! Du bist nicht der einzige Elf hier. Es gibt noch eine
+Menge anderer, die auch in Frage kommen, und deren Blicke sagen, dass sie
+Interesse haben. Bestimmt wird sie bald einer von denen fragen, und wenn Du
+Pech hast, denkt sie, du hast kein Interesse und sagt ihm zu!"
+
+Illdereth wollte das nicht hoeren. "Ja, Slabnir. Ich weiss, was ich tue."
+
+"Wenn es um diese Plattform geht? Eine Plattform, die man vom Hain aus quasi
+nicht sieht, da der Baum so gewachsen ist? Wenn es um mystische Erfahrungen
+geht? Wenn es ums Bogenschiessen geht? Illdereth, dann bist du ein Meister.
+Aber wenn es um Frauen geht? Illdereth! Du warst ein Jahr lang mit Niverna
+zusammen, die ist dir damals hinterhergelaufen, und diese Frau ist wirklich
+anstrengend. Du kannst Dich, bei den Blaettern des Baumes der Freiheit,
+gluecklich schaetzen, dass sie ..."
+
+"Sprich nicht so von ihr." Illdereths Stimme klang fest und beinahe drohend.
+
+Slabnir hob abwehrend die Haende. "Schon gut, schon gut, in Ordnung. Ich werde
+nichts mehr sagen. Ich finde aber trotzdem, dass ich recht habe."
+
+Illdereth beugte sich vor und betrachtete die junge Elfe vom Rand der
+Plattform aus. Sie hielt einen Hammer und ein paar Holzstuecke und schloss
+gerade Risse in der Palisade, die das Dorf umgab. Selbst die kruden
+Hammerschlaege wirkten bei ihr wie ein Tanz, obwohl sie sicher nicht ahnte,
+dass sie beobachtet wurde. Ihm stockte fast der Atem.
+
+Slabnir riss ihn aus seinen Gedanken. "Wenn du genug gesehen hast, geh runter
+und rede mit ihr!", sagte er. Dann drehte er sich um und verschwand von der
+Plattform.
+
+Illdereth dachte nach. Er konnte jetzt hier oben sitzenbleiben und Tarivel
+beim Flicken der Risse zuschauen. Das war zwar kein schlechter Anblick, aber
+irgendwie kam ihm das nicht richtig vor. Wenn er jemals herausfinden wollte,
+was sie ueber ihn dachte, war vielleicht Slabnirs Rat richtig. Vielleicht
+sollte er einfach so mit ihr reden oder seine Hilfe anbieten. Man musste ja
+nicht gleich mit der Tuer ins Haus fallen. Schaden wuerde das sicher nicht.
+
+Illdereth zoegerte. Sie hatten ausgemacht, dass niemand von der Plattform
+erfuhr, der nicht dazugehoerte. Und das waren derzeit auch nur Slabnir und
+Ligenshad. Und selbst der schwarzhafte Slabnir hatte Vereniel nichts erzaehlt.
+Nein, er durfte jetzt nicht von hier oben kommen.
+
+"Die Wipfellaeufer" nannten sich die drei jungen Elfen. Es war seine Idee
+gewesen. Sie uebten seit Wochen, sich lautlos von Baum zu Baum zu bewegen.
+Mittlerweile konnten sie die gesamte Siedlung auf Wegen in den Baeumen
+erreichen. Und auch, Palisade hin oder her, ein ganzes Stueck in den Wald
+gelangen.
+
+Sie hatten auch beschlossen, sich aehnlich zu kleiden und sich gruene
+Lederwaemser naehen lassen. Illdereth war der beste Jaeger der Siedlung. Wo
+andere einen ganzen Tag benoetigten, um einigermassen taugliche Felle und
+Fleisch zu erjagen, brauchte er meist nur ein paar Stunden. Es hatte ihn nicht
+viel Arbeit gekostet, einige Fuechse zusaetzlich zu jagen und sie beim Lederer
+gegen die gruenen Ruestungen einzutauschen. Er hatte eine wilde Geschichte von
+"besserer Tarnung" erzaehlt, obwohl jeder wusste, dass im Unterholz braun
+besser tarnte. Slabnir und Ligenshad hatten sich erst ein wenig geziert, sie
+anzunehmen, aber Illdereth wollte vor allem die Idee voranbringen.
+
+"Alles klar. Dann legen wir los", machte er sich selbst Mut, schnallte seinen
+Bogen um, holte tief Luft und schwang sich auf den Baum. Linker Arm, armdicker
+Ast, rechter Arm, Knoechelast. Rechtes Bein hinauf auf dicken Ast, umklammern,
+herumschwingen, rechter Arm an die Vorderseite des Astes das ging am
+schnellsten. Linkes Bein vor, rechtes Bein umklammert Ast und linkes Bein,
+wieder herum. Oberkoerper vor, dann auf die naechste Eiche, den
+Sturmgegerbten, wie sie diesen Baum nannten. Auch dort wussten seine Arme und
+Beine aufgrund der Uebung genau, was zu tun war.
+
+Jemand, der ihn vom Boden aus gesehen haette, haette nur gestaunt, und die
+sprichwoertliche Anmut der Elfen waere ihm in den Sinn gekommen. Doch
+Illdereth wollte gerade nicht gesehen werden, und die wenigen Geraeusche, die
+er machte, uebertoente Tarivel mit ihrem Hammer.
+
+Vom "Sturmgegerbten" ging es zum "Krummen Zwerg", einer leicht abgeknickten
+Buche, die aber noch recht stabil war. Dahinter hingen ein paar Aeste zu
+Boden, auf der vom Dorf abgewandten Seite. Dort stieg er ab.
+
+Er nahm seinen Bogen locker in die Hand und naeherte sich wieder dem Dorf, an
+der Stelle, wo geklopft wurde. Dort angekommen, holte er tief Luft und fragte:
+"Wer klopft denn da an die Palisade?"
+
+Die junge Elfe blickte durch ein Astloch hinaus. "Oh, hallo, Illdereth. Ich
+soll hier die Loecher flicken. Anweisung von meinem Grossvater."
+
+Illdereth nickte. Das wusste er ja schon. Gut, das mit der Anweisung nicht,
+aber das haette er sich denken koennen. Tarivels Grossvater war Olorn, der
+Aelteste der Siedlung. Und seit ihre Eltern vor Jahren gestorben waren, war
+Olorn ihr Ziehvater. Natuerlich kam die Anweisung, die Palisade zu reparieren,
+von ihm. Insofern hatte er gerade nicht wirklich viel erfahren.
+
+Verdammt. Was sollte er jetzt sagen? Er brauchte ein Thema. Der Plan war
+gewesen, seine Hilfe anzubieten.
+
+"Soll ich dir helfen?"
+
+"Meinst du, ich kann das nicht?" Sie grinste feixend.
+
+Das war ja perfekt, sie hielt ihn jetzt bestimmt fuer voellig arrogant. So
+gruendlich hatte er selten die Dinge in den Sand gesetzt. "Natuerlich nicht,
+ich meine, ich dachte nur, du willst das vielleicht nicht alleine ..."
+
+Er stockte. Tarivel grinste ihn an. "Nein, das geht schon. Das ist meine
+Aufgabe. Ich bin gleich ohnehin fertig. Und wieso bist du draussen im Wald?"
+
+"Ich war jagen", sagte er und wedelte grinsend mit seinem Bogen.
+
+"Aha. Aber es gibt doch seit zwei Tagen ein Jagdverbot, damit die Bestaende
+sich erholen, und wir haben genug Vorraete fuer den Winter. Wieso meinst du,
+dass das nicht fuer dich gilt?"
+
+"Aeh, ich meine, ich habe ja nichts erlegt ... ich habe nur Zieluebungen
+gemacht", stotterte Illdereth.
+
+"Stimmt, du hast keine Beute dabei. Macht das Spass, so Zieluebungen?"
+
+"Aber natuerlich. Und es ist auch wichtig. Stell dir vor, das Dorf wird
+ueberfallen, dann muss dich ja jemand beschuetzen", platzte es aus ihm raus.
+
+Er wurde knallrot, als er bemerkte, was er da gesagt hatte.
+
+Und noch roter, als er merkte, dass er rot wurde.
+
+"Dich und die anderen", sagte er. Machte er es gerade besser oder schlimmer?
+Und konnte er noch roter werden?
+
+Sie schaute ihn irritiert an.
+
+Er fuhr herum. "War da was?" Er tat, als lausche er in den Wald.
+
+"Ich habe nichts gehoert." Tarivel haemmerte munter weiter.
+
+Da war tatsaechlich etwas, wie er gerade bemerkte. Vielleicht war das die
+Ablenkung, die er brauchte, um aus der Peinlichkeit wieder herauszukommen. "Da
+ist was!" Er nahm seinen Bogen vom Ruecken und spannte ihn mit geuebten
+Griffen.
+
+Tarivel hoerte auf zu haemmern. "Hmm? Was denn?"
+
+Ein leises Schnaufen schien aus den Bueschen zu kommen. Illdereth legte auf
+eines der Gebuesche an. Eine riesige Kreatur sprang dort heraus und stuerzte
+sich auf ihn. Wuetendes Fauchen war zu hoeren, und auch ein zweistimmiger
+Schrei aus seiner und Tarivels Kehle gleichzeitig.
+
+Die Kreatur ein gigantischer Wolf landete auf Illdereth, noch bevor dessen
+Pfeil die Sehne verlassen hatte. Der Schuss landete ungezielt im Wald. Heftig
+schlug der Elf mit dem Bogen um sich und erwischte das Tier auch, aber das
+liess sich nicht abbringen.
+
+Dann landete ploetzlich Tarivels Hammer auf dem Tier. Illdereth hatte keine
+Ahnung, wo sie auf einmal hergekommen war sie war doch gerade noch auf der
+anderen Seite der Palisade gewesen! Offenbar konnte sie gut klettern. Die
+Palisade war im Inneren der Siedlung erklimmbar, um Bogenschuetzen und
+Nahkaempfern im Falle eines Angriffs die Verteidigung zu ermoeglichen. Sie
+musste sich von oben herunter auf den Wolf gestuerzt haben, als dieser gerade
+Illdereths Bein aufreissen wollte. Schwankend kam Illdereth wieder auf die
+Beine.
+
+Das Tier war zwar heftig getroffen, hatte aber noch lange nicht genug. Mit
+aufgerissenem Maul und wuetend funkelnden Augen stand es ihm sprungbereit
+gegenueber. Tarivel nahm den Hammer wieder hoch und ging auf das Geschoepf zu.
+"Lass das, das ist zu gefaehrlich!", warnte Illdereth, doch sie hoerte nicht
+auf ihn.
+
+Der Wolf sprang und packte Tarivel mitten in der Bewegung. Er biss in ihren
+Unterarm. Illdereth hoerte einen Knochen splittern und Tarivel vor Schmerz
+schreien. "Nein!", rief er, packte die junge Elfe und riss sie zurueck.
+
+Was war das hier? Seit wann kamen Woelfe so nah ans Dorf? Eben noch war er
+oben auf dem Baum gewesen, und vorher waren er und sein Freund auf der Kuehlen
+Lichtung gewesen ...
+
+Die Kuehle Lichtung. Dort wollte er sein. Alles um ihn herum wurde langsamer.
+Wie konnte er nur in diesem Moment an die Lichtung denken? Er musste doch
+Tarivel retten!
+
+Der Wolf hatte Tarivel losgerassen, war durch seinen Schwung weitergetragen
+worden und wandte sich nun wieder zu den beiden Elfen um. Gleich wuerde er
+erneut springen. Illdereth durfte das nicht zulassen. Der Wolf musste weg.
+Verschwinden.
+
+Illdereth spuerte die Kuehle in seinem Inneren, tief in ihm, in seinem Herzen.
+Nein. Kaelte. Kalt. Nicht die heimelige, erfrischende Kuehle, wie bei seinen
+Besuchen auf der Lichtung. Illdereth zog pure Kaelte aus der Lichtung, liess
+sich von dieser Kaelte leiten, und schickte sie dem Wolf entgegen.
+
+Wasser aus der Luft materialisierte sich. Feuchtigkeit aus der Umgebung fand
+sich zusammen und gefror. Kleine Eiskugeln bildeten sich, immer groesser
+werdend. Sie flogen dem Wolf entgegen wie ein Hagelschauer. Der Strom aus
+Eiskoernern traf das Tier mit solcher Wucht, dass er tiefe Wunden schlug. Der
+Wolf blutete und jaulte jaemmerlich. Kurz darauf brach er zusammen und das
+Jaulen erstarb, waehrend der Hagel weiter auf den leblosen Koerper einschlug.
+
+Illdereth versuchte, den Hagel zu beenden, indem er aufhoerte, Kaelte von der
+Lichtung zu ziehen, was ihm schliesslich auch gelang.
+
+Dann starrte er fassungslos auf den Klumpen Fell und das im Boden versickernde
+Blut, das eben noch ein gefaehrlicher Wolf gewesen war.
+
+Trotz ihrer Schmerzen schaute Tarivel Illdereth entsetzt an. "Was hast du
+gemacht? Was war das?"
+
+"Das ... das weiss ich selbst nicht so genau", stotterte Illdereth. Dann
+blickte er auf ihre Verletzung. "Aber jetzt kuemmern wir uns erstmal um deinen
+Arm." Er stuetzte sie und brachte sie in die Siedlung.
+
+
+
+
+
+*
+
+
+
+
+
+"Das ist ja wohl unglaublich!"
+
+
+
+Mulai Olorn stand vor seiner Enkelin und starrte unentwegt auf ihren Arm. Ein
+Heilkundiger hatte den Arm bereits fachgerecht versorgt. Die Verletzung umgab
+ein kunstvolles Flechtwerk aus Blaettern und Zweigen. Ein Ast diente als
+Schiene.
+
+Normalerweise war die hoechste Ebene des ausgehoehlten Baumes ein friedlicher
+Ort, das Zentrum der Siedlung, der groesste und hoechste aller Baeume. Hier
+residierte der Aelteste und gab seine Anweisungen. Nun stand er fassungslos
+vor seiner Enkelin. Er liess den heiligen Stab der Elfen ein paarmal zwischen
+seinen Haenden hin- und hergleiten.
+
+"Wie konntest du nur das Dorf verlassen!"
+
+Tarivel verdrehte die Augen. Was bildete sich ihr Grossvater da nur ein! Sie
+war alt genug, um selbst Entscheidungen zu treffen!
+
+"Du bist meine Enkelin. Das Einzige, was von meiner Familie uebrig ist,
+seitdem Aelwhain gestorben ist. Ich will dich nicht auch noch verlieren!"
+
+Und Illdereth, der sie gerettet hatte, wurde in Gegenwart des Aeltesten zu
+einem vollkommenen Tolpatsch, indem er sich dazwischen draengte. "Es war meine
+Schuld, Aeltester. Ohne den Angriff des Wolfs auf mich ..."
+
+Soweit kam es noch. Die Palisade zu erklimmen war ihre Idee gewesen, nicht
+seine! Und im Endeffekt hatte er sie gerettet. Sie verstand zwar immer noch
+nicht wie, aber das wuerde sich schon noch klaeren.
+
+"Natuerlich ist das deine Schuld! Das habe ich auch nicht in Frage gestellt!",
+schimpfte Olorn. "Meine Enkelin in diesem Zustand!"
+
+Das reichte ihr.
+
+"Ich verlasse das Dorf, wenn ich das fuer richtig halte. Draussen war ein
+Wolf, der einen unserer Krieger angegriffen hat ...", begann sie.
+
+"Krieger? Der hier? Das ist kein Krieger!", bruellte ihr Grossvater. "Das ist
+ein Tunichtgut. Ein Traeumer! Ein Jaeger, der nur so viel jagt, wie er
+unbedingt braucht, und nicht mehr erreichen will! Ich hoerte, er soll ein
+guter Bogenschuetze sein. Und was hat ihm das gegen den Wolf genutzt? Nichts!
+Wo ist denn dein Bogen, Illbre? Genau da, wo deine Eltern sind! Nicht hier!"
+
+Illdereths Haende ballten sich zu Faeusten. Seine Eltern waren aus dem Dorf
+verstossen worden, da sie entgegen den Anweisungen des Aeltesten einige Baeume
+geschlagen hatten, die dieser ausdruecklich zu schlagen verboten hatte.
+Illdereth hatte nichts damit zu tun gehabt und war alt genug gewesen, um sich
+selbst zu versorgen. Er durfte im Dorf bleiben, aber seitdem war er auf sich
+allein gestellt. Doch er hatte sich offenbar unter Kontrolle.
+
+"Illdereth, Aeltester. Mein Name ist ..."
+
+"Belehre mich nicht! Beantworte die Frage!"
+
+"Hoer auf!", schrie Tarivel. Das war ja nicht zu ertragen! "Der Wolf kam aus
+dem Nichts! Ich weiss nicht, warum der so nah ans Dorf kam. Ich kam Illdereth
+zu Hilfe, aber das war gar nicht noetig! Er hat den Wolf mit ... mit ... mit
+einem Hagelschlag getoetet!"
+
+"Einem was?" Ihr Grossvater schaute sie verwirrt an.
+
+"Einem Hagelschlag. Ich weiss nicht genau, was das war, aber wenn er das
+Wissen weiterverbreiten kann ..."
+
+Ihr Grossvater winkte unwirsch ab. "Was fuer ein Wissen? Boegen und
+Ruestungen, Schwerter und Lanzen! Baeume! Leben! Das ist unser Lebensweg! Und
+wir sind gute Heiler! Diesen Weg hast du vergessen, was? Einen Hagelschlag.
+Und was erzaehlst du ihr morgen? Von Feuerwalzen und Blitznebeln?"
+
+"Ich habe doch nur ...", begann Illdereth, aber der Mulai schnitt ihm das Wort
+ab.
+
+"Nun denn, dann zeige mir doch mal so einen ... Hagelschlag!"
+
+Illdereth zoegerte, dann nickte er. Er streckte seine Hand aus. Sichtlich
+angestrengt verzog er die Stirn.
+
+"Es klappt nicht", fluesterte er. "Ich weiss nicht, warum das nicht klappt."
+
+Tarivel verstand ihn, aber auch wenn ihr Grossvater ihn nicht verstand, hatte
+der doch erkennbar genug.
+
+"Du bist ein Scharlatan, Illdereth! Mit welchen Tricks hast du versucht, meine
+Enkelin zu beeindrucken?"
+
+Tarivel war sich nicht sicher, ob Illdereth gemerkt hatte, dass ihr Grossvater
+seinen richtigen Namen durchaus kannte. Aber das war nun zweitrangig.
+
+"Ich habe es gesehen", erklaerte Tarivel. "Damit ich das richtig verstehe: Du
+willst also sagen, ich bin dumm? Glaubst Du, ich falle auf einen Scharlatan
+herein?"
+
+So redete niemand mit ihrem Grossvater, das wusste Tarivel. Aber Illdereth
+hatte diese Behandlung nicht verdient.
+
+"Na, du siehst doch, was der da macht! Oder moechtest du etwa bestreiten, dass
+du ein Auge auf meine Enkelin geworfen hast?"
+
+Illdereth wurde knallrot und stand mit offenem Mund da. Ein leises Kraechzen
+brachte er zustande.
+
+"Da siehst du es! Ihm ist jedes Mittel recht! Ich erkenne Arroganz und
+Groessenwahn, wenn ich sie sehe. Und jetzt erklaer mir, wie willst du diesen
+Hagelschlag erzeugt haben? Oder was immer das gewesen sein soll, wobei meine
+Enkelin verletzt wurde?"
+
+Illdereth fasste sich. "Da ist ein Ort ..."
+
+"Ein Ort? Was fuer ein Ort?"
+
+"Die Kuehle Lichtung. Es ist ein Ort, der in einem Selbst liegt. Man muss sich
+tief in sich selbst versenken ..."
+
+"Papperlapapp!" Der Aelteste winkte ab. "Nun denn. So entscheide ich nunmehr
+Folgendes: Du, nichtsnutziger Illdereth, wirst dich morgen bei den Wachposten
+melden. Du wirst eine Ausbildung in der Wache durchlaufen. Vielleicht wirst du
+dann ja wirklich noch ein Krieger. Und du wirst dich von meiner Enkelin
+fernhalten. Und du, Tarivel, wirst diesen Moechtegern-Jaeger nicht mehr
+treffen."
+
+Tarivel sah ihn trotzig an. "Grossvater?"
+
+Olorn hielt ihrem Blick stand. "Ich bin gerade der Dorfaelteste und nicht dein
+Grossvater."
+
+"Der Dorfaelteste hat kein Recht, Umgang zu verbieten. Der Dorfaelteste kann
+ihn vielleicht zum Wachdienst einteilen, aber mir nicht vorschreiben, wen ich
+zu treffen habe."
+
+Olorn lachte laut auf. "Willst du dich etwa mit dem da treffen?"
+
+Tarivel hatte genug. Sie fand Illdereth nett, sogar mehr als das. Und sie
+hatte Verabredungen mit Ligenshad gehabt aber, wie sie sich selbst
+eingestanden hatte, vor allem darum, um Illdereth naeherzukommen. Was leider
+ueberhaupt nicht funktioniert hatte, Illdereth hatte sie und Ligenshad
+gemieden. Und sie wusste nicht einmal, ob sie darueber nachdenken wollte.
+Ligenshad hatte das Ganze schliesslich beendet.
+
+Sie drehte sich bruesk um, stieg den Baum hinab und lief durch die Siedlung.
+Erst kurz vor dem Tor schaute sie zurueck. Zwei der Wachen drehten sich zu ihr
+um und schauten sie laechelnd an. Wie es ihr ging, was sie dachte das war
+denen vermutlich egal. Sie sahen Tarivel, die Enkelin des Aeltesten, jung,
+gutaussehend. Ja, sie wusste, welche Wirkung sie auf Maenner haben konnte.
+Aber gerade wollte sie das nicht.
+
+Ihre Gedanken kreisten um ihren Grossvater. Was sollte das? Dieser arrogante
+Mistkerl! Seit ihre Eltern gestorben waren, hatte er sie aufgezogen. Ja, sie
+war ihm dankbar, und natuerlich wollte er sie beschuetzen. Aber verdammt, sie
+konnte doch nicht erlauben, dass er ihr sagte, wen sie treffen durfte und wen
+nicht!
+
+Vielleicht war es das Beste, nun erst einmal klein beizugeben. Und so zu tun,
+als sei gar nichts. Genau. Er war schliesslich der Aelteste.
+
+Und dann, heimlich, ab und an bei der Wache vorbeischauen, wenn Illdereth dort
+Dienst hatte.
+
+
+
+
+
+Aufbruch
+
+
+
+
+
+Der Eisige stand vor der Kugel, einer der perfekten Kugeln, die das Licht aus
+den umstehenden Kerzen genau reflektierte. Sieben Kerzen standen um sie herum
+und beleuchteten den Eisigen, dessen dunkle Kutte damit sieben flackernde
+Schatten warf.
+
+
+
+Er strich mit Klauenfingern ueber das Kleinod. Rein und schwarz. So musste es
+sein. Dann drehte er die Kugel langsam.
+
+Das Licht brach sich in ihr, mehrfach. Die Lichtstrahlen durchdrangen sich
+gegenseitig. So war es perfekt. Er liess die Kugel los.
+
+Ein Schleier aus Licht entstand im Raum und verdichtete sich. Ein
+kreisfoermiges Muster, das so dicht wurde, dass man die dahinterliegende Wand
+nur noch erahnen konnte.
+
+Ein magisches Portal. Ein Tor in eine andere Welt.
+
+Der Eisige durchschritt es.
+
+Er kannte den Ort, an dem er herauskam. Die Zwischenwelt. Die Welt, in der das
+Nichts regierte, und die doch alles war. Etwas, das neben der normalen Welt
+lag.
+
+Hier war alles von einem wabernden Nebel durchzogen. Grob konnte er die Mauern
+eines Turmes erkennen.
+
+Wo es in der normalen Welt Hindernisse gab, regierte hier vor allem eines: die
+Kraft der Gedanken. Und er hatte maechtige Gedanken. Sie genuegten, um in der
+Zwischenwelt die normalen Gesetze ausser Kraft zu setzen. Er schwebte den Turm
+hinauf.
+
+Oben angekommen schaute er in das Wabern. Erkennen konnte er nichts, aber das
+musste er auch nicht. Es reichte, wenn man rief.
+
+"Maechte der Balance, Wahrer des Gleichgewichtes, offenbart Euch!"
+
+Die Maechte, die an diesem Ort regierten, kannte niemand genau. Selbst dem
+Eisige war ihre wahre Herkunft unbekannt. Allgemein galt, dass es maechtige
+Seher und Magier waren, die an diesen Ort kommen konnten, um so dem
+Gleichgewicht zu dienen, aber so genau wusste das niemand.
+
+Er wusste auch nicht, in welcher Form sich ihm die Balance diesmal zeigen
+wuerde. Aber sie wuerde kommen. Wer sie rief, dem musste sie sich zeigen.
+
+Eine menschenaehnliche, blasse Kreatur mit dunklen Fluegeln, ein Schwert aus
+Feuer in der Hand, materialisierte aus dem Nebel. Sie schwebte direkt vor ihm
+und musterte ihn abschaetzig. Er erkannte vage, dass es sich um eine
+maennliche Kreatur handelte.
+
+"Du wieder hier." Die Worte des Gefluegelten wirkten maechtig und
+gelangweilt.
+
+"Seid gegruesst, Macht der Balance."
+
+Der Gefluegelte verdrehte die Augen. "Ja? Was kann ich fuer dich tun,
+Eisiger?"
+
+"Ich beanspruche Auskunft ueber neue Quellen der Macht des Guten."
+
+Die Gestalt schlug mit den Fluegeln und schloss die Augen, als muesse sie sich
+konzentrieren. Sie hielt auf einmal eine kleine Waage in der Hand und legte
+auf die linke Seite eine weisse, auf die rechte eine schwarze Figur. Die Waage
+war im Gleichgewicht.
+
+"Beginnen wir mit der Zwergenstadt. Dort hat sich eine unbekannte Gefahr
+eingenistet. Nichts fuer dich zu holen, denke ich." Die schwarze Figur ging
+leicht nach unten.
+
+"Bei den Menschen gibt es Goblins in der Gegend. Gefaehrlich. Ausgeglichen
+wuerde ich sagen." Die Waage ging in Normalposition zurueck.
+
+"Bei den Felinen im Dschungel gibt es eine neue Bewegung, eine eigene
+Kriegergilde zu gruenden. Hier haben die Guten einen leichten Vorteil." Die
+weisse Figur sank nach unten.
+
+"Erzaehle mir von den Elfen", verlangte der Eisige. Die Felinen waren fuer ihn
+im Moment ausser Reichweite, das wusste er.
+
+"Elfen. Da gibt es einige Einfluesse. Zunaechst recht ausgeglichen. Gerade ist
+ein Wolfsrudel dort auf die Siedlung getroffen. Oder noch eine Gefahr ..." Die
+schwarze Figur ging leicht nach unten. "Aber so gefaehrlich ist diese Macht
+nicht. Doch, einer der Elfen hat eine Quelle der Macht entdeckt. Das gleicht
+aus ..." Die weisse Figur ging hinunter, bis zum Gleichgewicht, und dann
+tatsaechlich darueber hinaus.
+
+Der Eisige triumphierte. "Quelle der Macht! Das muss ich kontern duerfen."
+
+Die Gestalt schaute mitleidig auf ihn herab. "Du kriegst nie genug, oder?"
+
+"Wieso sollte ich, wo ich doch noch mehr bekommen kann?"
+
+Man sah das Gesicht des Gefluegelten nicht, aber man merkte ihm an, dass er
+nicht begeistert war. "Ich dachte mir schon, dass mit dir darueber zu
+diskutieren wohl recht sinnlos ist. Aber es ist gerecht. Du darfst in die
+Quelle eingreifen. Nicht direkt in sie, aber an ihrem Rand."
+
+"Wieso nur am Rand?"
+
+"Die Elfen haben diese Quelle selbst entdeckt. Sie gehoert ihnen. Die Regeln
+der Balance sagen, dass du sie nicht direkt verderben darfst. Du musst mit
+deinen Mitteln arbeiten. Sonst ist das Gleichgewicht gefaehrdet."
+
+Der Eisige griff in den Nebel. Finstere Worte murmelnd holte er mit seinen
+Haenden eine Vision hervor. Er sah eine Lichtung, tief in einem Wald.
+Angeekelt zog er seine Klauen zurueck.
+
+"Das ist die Quelle ihrer Macht? Sie ist so ... elfisch kuehl. Nicht eisig."
+
+"Sie ist gutartig. Es ist eine Kuehle Lichtung." erklaerte die Gestalt. "Wage
+es nicht, in sie selbst einzugreifen. Es ist eine Errungenschaft der Elfen, du
+darfst sie nicht direkt verderben."
+
+Ein Laecheln zog sich ueber die eisigen Lippen.
+
+"Das werde ich nicht. Aber von der Kuehlen Lichtung ist es nicht weit ... bis
+ins Eisige Tal."
+
+
+---- Ende der Leseprobe -----
+
+-----------------------------------------------------------------------------
+
+
+
+Re: Wipfellaeufer (Humni, 20. Aug 2016, 08:45:52):
+~#! rn=Humni rt=1471644049 rg=anzeigen
+~#! tid=1471644049
+Nun ja, manchmal geht es doch schneller: Wipfellaeufer ist nun erhaeltlich bei
+Amazon:
+
+http://tinyurl.com/wipfellaeufer
+
+Und bei Kobo:
+
+http://tinyurl.com/kobowipfellaeufer
+
+Die Tolino-Allianz hat es auch fuer die Laeden freigegeben, aber bei einer
+ersten Stichprobe habe ich es in selbigen nicht gefunden (weltbild,
+hugendubel, mayersche). Das kann wohl 4 Tage dauern.
+
+Humni
+
+-----------------------------------------------------------------------------
+
+
+
diff --git a/OLD.megaschmarrn b/OLD.megaschmarrn
index c893410..ca236ca 100644
--- a/OLD.megaschmarrn
+++ b/OLD.megaschmarrn
Binary files differ